10 Fragen an John Katzenbach

 

01 Melanie Bradshaw: Jeder Leser hat seine eigene Hitlist Ihrer Bücher, bei mir ist es Der Patient, dann Das Rätsel und anschließend Die Anstalt. Welches Buch ist ihr Favorit? Welches Buch hat sie beim Schreiben/Recherchieren am meisten selbst gefesselt und lesen es sogar selbst immer wieder gerne?
John Katzenbach: Ganz klar: Ein Teil jedes Buches. Manchmal bin ich richtig verliebt in einen Charakter, genieße eine spezielle Szene oder bin sehr zufrieden mit dem Ausgang einer Handlung. Ich bin so tief drin in jedem einzelnen Roman, dass es für mich unmöglich ist zu sagen, welchen ich mehr oder welchen ich weniger mag. Und meistens ist das Buch, an dem ich aktuell arbeite, auf der Hitliste, was sicher langweilig zu hören und voraussehbar war.
02 Uwe Röder: Ich habe bis jetzt alle Bücher, die bei Audible erschienen sind, gelesen. Wie sind Sie auf die Idee gekommen im Roman Das Rätsel einen 51. Bundesstaat zu kreieren?
John Katzenbach: Die Idee zum 51. US-Staat kam in einem Gespräch mit Freunden auf, als wir immer wieder drauf zurückkamen, dass wir in Amerika eine wirkliche Veränderung brauchen. Manchmal kommt es mir so vor, als ob Amerika aus zwei getrennten Ländern besteht, als ob wir zwei verschiedene Sprachen sprechen – eine geprägt von Fortschritt und die andere geprägt von Vorsicht oder Konservatismus. Ich sitze am Abend vor der US-Präsidentschaftswahl über der Beantwortung dieser Fragen. Ich stelle mir die Frage, ob der Ansatz aus „Das Rätsel“ weiterverfolgt wird? Ich sage niemals nie – aber es ist eher unwahrscheinlich. Ich habe so viele neue Ideen, als dass ich einen Rückschritt machen möchte.
03 reni13: Das mit Abstand beste Hörbuch von John Katzenbach ist Der Patient. Die neuesten Gerüchte besagen, dass es auch das neueste Buch ist und das alle anderen, die als "neu" herausgegeben wurden, in Wirklichkeit uralte Wiederauflagen sind. Ist das die Wahrheit? Gibt es denn wieder echte Neuerscheinungen?
John Katzenbach: Nein, Der Patient ist nicht das neueste Buch. Das aktuellste ist Das Opfer. Ich arbeite an einem neuen Roman, der wohl in der ersten Hälfte von 2009 fertiggestellt ist. Eine Sache noch zu Der Patient: einige Film-Produktionsfirmen arbeiten gerade an einer Filmversion. Wünschen Sie mir Glück!
04 marianneau: Ihre Arbeit als Gerichtsreporter hat Sie bei Ihren Texten sicher sehr beeinflusst, aber wie entwickelt man so vielschichtige Charaktere?
John Katzenbach: Meistens versuche ich mich einfach in die Seele jedes einzelnen Charakters zu versetzen, sowohl in die Guten als auch in die Bösen. Ich versuche die Welt aus ihren Augen zu sehen. Alle meine Charaktere sind mit ihren eigenen verrückten und perversen Seiten ein Teil meines eigenen Story-Aufbaus. Damit sie sich real für mich anfühlen, muss ich sie auch sehr real auf den Seiten abbilden. Daher kommt die Tiefe der Figuren.
05 Tom Hankel: Gibt es andere Autoren/Schriftsteller, von denen Sie sich Anregungen holen bzw. von denen Sie inspiriert werden? Und welche Bücher lesen Sie, wenn Sie nicht gerade selber schreiben?
John Katzenbach: Es gibt viele andere Autoren, die ich sehr inspirierend finde, aber das sind hauptsächlich die alten Meister, wie Hemingway, Orwell und Joseph Conrad, die leider schon tot sind. In meiner Freizeit lese ich gerne Sachliteratur und Historisches, obwohl ich kürzlich auch den Roman „Testimony“ von meiner Freundin Anita Shreve verschlungen habe.
06 quadrotto: Wann haben Sie Ihr Talent zum Schreiben entdeckt? Haben Sie bereits als Kind angefangen aktiv Geschichten zu schreiben oder waren Sie mehr eine Leseratte?
John Katzenbach: Meine ersten Geschichten schrieb ich tatsächlich bereits als Kind. Ich las aber auch sehr gerne. Eigentlich alles, was mir in die Hände fiel, von gruseligen Geschichten von Ambrose Bierce bis hin zu komplexen Romanen von Dostoyevsky. Ich liebte Die Chroniken von Narnia und natürlich Tolkien’s Herr der Ringe, schon vor der Zeit, als diese Bücher so bekannt wurden wie sie es heute sind. Ich war außerdem immer begeistert von Charles Dickens. Es gibt drei Bücher in meinem Leben, die ich in einer langen Nacht durchgelesen habe, ohne aufhören zu können: Große Erwartungen von Charles Dickens, Der Magus von John Fowles und Roter Drache von Thomas Harris (das ist das einzige Buch, was mir jemals Angst gemacht hat).
07 highlander4: Herr Katzenbach, einige Ihrer Werke wurden ja auch mit bekannten Schauspielern verfilmt. Wurden sie wenigstens gefragt ob ihnen die ausgewählten Schauspieler für die Rollen zusagen?
John Katzenbach: Leider nein, ich wurde nie nach meiner Meinung zu den Schauspielern gefragt. Aber wenn ich auf die bisher veröffentlichten Filme zurückblicke, wurden einige gute und einige nicht so gute Entscheidungen getroffen. Da ich das Drehbuch zu „Das Rätsel“ selbst geschrieben habe, bin ich optimistisch, dass sie mich diesmal fragen werden, wenn es um das Casting der Personen geht.
08 Thomas Lückemeyer: Hallo Mr. Katzenbach, Ich habe alle Ihre Thriller gehört, die bei Audible erschienen sind. Danke für die kurzweiligen spannenden Stunden. Wann wird es einen neuen Roman von Ihnen geben? Und... wird dieser ebenfalls bei Audible als Hörbuch erscheinen?
John Katzenbach: Einen neuen Roman wir es in Deutschland voraussichtlich 2009 geben. Das Buch mit dem Titel: Day of Reckoning habe ich vor ein paar Jahren geschrieben. Darin geht es um eine ehemalige Radikale der 60er Jahre, die nach 25 Jahren aus dem Gefängnis kommt und nun frühere Anhänger jagt, die sich in all den Jahren gegen sie gewand haben und nun das typische Vorstadtleben leben. Diese schonungslos grausame Ex-Radikale ist eine meiner Lieblings-Bösewichte.
09 Stefan Baumgartner: Verfolgen Sie Ihre Figuren und Geschichten vor, während oder auch nach dem Schreiben in Ihren Träumen? Sind diese Träume und Phantasien evtl. auch Ihre Veranlassung zum Schreiben (gewesen)?
John Katzenbach: Ja, manchmal träume ich von meinen Charakteren. Aber die Wahrheit ist, während des Schreibens habe ich das Gefühl, als ob die Charaktere in meinem Büro direkt hinter mir lauern, mich drängen, mir Ratschläge geben, Ideen vorschlagen und die Worte auf den Seiten manipulieren. Wenn das ein bisschen psychotisch klingt, nun, das ist, was das Schreiben eines Romans ausmacht.
10 hogenset: Hallo Herr Katzenbach! Sie werden immer wieder nach Ihrer Inspiration und dem Prozess des Schreibens gefragt. Wundern Sie sich manchmal, dass Ihnen eine bestimmte Frage viel zu selten oder noch nie gestellt wurde? - ( Und die Antwort darauf wüsste ich dann auch noch gerne ;-} )
John Katzenbach: Natürlich ähneln sich die Fragen sehr, die ich bekomme und trotzdem gibt es immer wieder welche, die mich überraschen ?. Die Antwort auf Ihre Frage lautet: Ja, aber die wirklichen Narben in meinem Innern sind etwas, das ich geheim halten sollte…

 

John Katzenbach

 

John Katzenbachs Romane zeichnen sich durch eine besondere Mischung aus gründlicher Recherche an den Orten des Geschehens und fundierter psychologischer Analyse von Tätern und Motiven aus. Als früherer Gerichtsreporter schreibt er hauptsächlich Psychothriller.